Haegue Yang
Mesmerizing Mesh – Paper Leap and Sonic Guard
April 29 – July 30, 2022

Ausstellung: 29. April – 30. Juli 2022

Eröffnung am Gallery Weekend Berlin
Preview: Donnerstag, 28. April – Freitag, 29. April, 11–18 Uhr
Eröffnung: Freitag, 29. April, 18–21 Uhr
Publikumstage: Samstag, 30. April – Sonntag, 1. Mai, 11–19 Uhr

Galerie Barbara Wien freut sich, eine Einzelausstellung mit neuen Werken von Haegue Yang zu zeigen. Die sechste Solo-Präsentation von Yang in unserer Galerie führt die neue Werkserie Mesmerizing Mesh (seit 2021) in Europa ein. Wiens Verlag veröffentlicht dazu die Publikation Mesmerizing Mesh – Paper Leap.

Der Titel Mesmerizing Mesh – Paper Leap and Sonic Guards greift die beiden Hauptteile der Ausstellung, Papierarbeiten und Sonic Sculptures, auf. Sechsundzwanzig Collagen aus der Serie Mesmerizing Mesh bilden den Mittelpunkt der Ausstellung; sie werden zusammen mit zwei Glockenskulpturen präsentiert. Außerdem sind drei an der Wand befestigte Haushaltsgeräteskulpturen und eine von der Decke hängende Lampenskulptur ausgestellt.

Mesmerizing Mesh ist eine Serie, die aus Hanji, einem traditionellen koreanischen Papier gefertigt wird. Hanji wird aus der inneren Rinde von Papiermaulbeerbäumen gewonnen, die in koreanischen Berglandschaften heimisch sind. Die sparsame und unverwechselbare Weise, wie Papier in schamanischen Ritualen in einigen Regionen Koreas benutzt wird, inspirierte die Künstlerin zu dieser Serie. In vielen Zivilisationen haben sowohl Individuen als auch Gruppen in schamanischen rituellen Handlungen Papier verwendet, um ihre Wünsche auszudrücken. Diese Papierrequisiten werden auch in Reinigungs- oder Säuberungsritualen verwendet und nicht selten am Ende der Zeremonie verbrannt. Die Vielfalt dieser Praktiken haben die Entwicklung von Mesmerizing Mesh inspiriert. Unter den unzähligen Kompositionen kommen einige Formen immer wieder vor, wie zum Beispiel die „Formation“. Diese Komposition zeigt eine Anordnung von geometrischen und abstrakten Mustern, die sich auf Sumun beziehen, ornamentale Papierbögen, die bei schamanischen Ritualen in Korea von der Decke hängen, um böse Geister zu vertreiben. In einer anderen Komposition dominieren figurative Motive, die sich auf Nukjeon beziehen, ein Papierobjekt, dem Schamanen eine Seele verleihen.

Im Nordraum der Galerie werden sechzehn Mesmerizing Mesh gezeigt, die geometrische und figurative Kompositionen aufweisen und auf einfarbig schwarzen, blauen und roten Hintergrund aufgebracht sind. Ein Teil der Arbeiten ist auf einem speziell dafür entwickelten Holzdisplay installiert und in einigen Kompositionen ist das Motiv Gohei aus japanischen Shinto-Zeremonien deutlich zu erkennen. Im Südraum sind zehn Mesmerizing Mesh zu sehen, die einen ähnlichen Gebrauch von Papierobjekten in Korea und in Japan deutlich machen. Manche zeigen eine Zusammenstellung figurativer Motive, während andere sich wiederum auf Nukjeon, Shinjang Stick/Ōnusa, Geumjeul/Shimenawa und Sungji Flower beziehen. Eine vergleichende Betrachtung dazu ist auch in der Publikation Mesmerizing Mesh – Paper Leap zu finden. Neben den zehn Collagen ist im Südraum die von der Decke hängende Skulptur Mesmerizing Lantern – Four Guardians in Crimson (2022) ausgestellt, die aus Hanji hergestellt ist. Die vier Seiten der lampenartigen Skulptur, ganz in rot gehalten, sind mit Motiven von vier Schutzgottheiten bestückt, welche die vier Haupthimmelsrichtungen symbolisieren – der azurblaue Drachen des Ostens, der zinnoberrote Vogel des Südens, der weiße Tiger des Westens und die schwarze Schildkröte des Nordens.

Zwei große, aus Glöckchen und Metallringen zusammengefügte Sonic Sculptures sind in beiden Räumen ausgestellt. Die Sonic Guards (2022) sehen wie transparente, gewobene Tücher aus, sie sind direkt auf dem Boden ausgebreitet und bedecken optional darunter liegende Objekte. Tischarrangements aus koreanischen Zeremonien befinden sich unter Sonic Guards over Ceremonial Formation – Blue. Unter Sonic Guards over Domestic Formation – Crimson sind gebräuchliche, allerdings etwas aus der Mode gekommene Lebensmittelbehälter platziert, die man in fast jedem koreanischen Haushalt findet.

Im Südraum und im Foyer der Galerie werden drei Haushaltsgeräteskulpturen gezeigt. Twelve Pyeongchang-gil Moisture (2022) und Seven Dircksenstraße Moisture (2022) tragen beide Straßennamen im Titel und sind aus einem Spülbecken gebaut, das mit Jalousien bedeckt und von innen erleuchtet ist. Die Editionen beziehen sich auf Yangs Wohnungen in Seoul und Berlin und verweisen auf die Idee von „Double Life“ sowie auf das Thema des Häuslichen.

Im Foyer bietet ein Informationstisch mit seltenen Publikationen weitere Einblicke in die verschiedenen Traditionen des Papierschnitts. Diese Quellen beleuchten auch den Gedanken von Yang, dass Schamanen und Künstler eine Methode teilen, um „mystische Sprünge“ aus weltlichen Materialien abzuleiten. Die „mystischen Sprünge“ manifestieren sich in Sprache, Ästhetik, Kommunikation, Wert, also in allem was außerhalb des Materiellen liegt. Ähnlich wie Papier von Schamanen benutzt wird, um die Dimensionen von Leben und Tod zu überbrücken, aktiviert Yang Hanji – sie schichtet, faltet, schneidet und klebt das Papier auf und macht damit einen Sprung vom Material in eine entmaterialisierte Dimension.

Wiens Verlag freut sich begleitend zur Ausstellung Mesmerizing Mesh – Paper Leap herauszugeben. Die englischsprachige Publikation bietet knappe, aber informative Beschreibungen und Abbildungen von schamanischen Ritualen und Traditionen des Papierschnitts mit einem Schwerpunkt auf Korea und Japan. Das Heft stellt Yangs subjektive Lesart dieser verschiedenen Traditionen vor, die zu der Entstehung ihrer Hanji-Collagen geführt hat. Es enthält ein reich illustriertes Kapitel zu den Hauptreferenzen, auf die sie sich bezieht, und einen vollständigen Index der seit 2021 entstandenen 95 Werke von Mesmerizing Mesh.

In der Garage, einem zusätzlichen Ausstellungsraum im Hof, zeigen wir Sonic Intermediates – Three Differential Equations (2020). Das dreiteilige Skulpturenensemble wurde zuerst in Yangs Einzelausstellung Strange Attractors in der Tate St Ives ausgestellt und war danach im M HKA in Antwerpen zu sehen. Zusätzlich zu den Sonic Intermediates zeigen wir die drehbare Wandskulptur Sonic Rotating Whatever Openings on Hemisphere #4 (2021) und eine Auswahl von Wandobjekten der Blank Rotating Notes, einer Edition von 2012.

Neuerscheinung: Haegue Yang: Mesmerizing Mesh – Paper Leap
Buch mit zwei separat gebundenen Teilen in einem Umschlag, 72 Seiten, 133 farbige Abbildungen,
21 x 14,8 cm, Wiens Verlag, Berlin 2022, 15 Euro

Wir bedanken uns bei: Magdalena Chua, Atsushi Fukunaga, Taro Furukata
Unser besonderer Dank geht an: Annette und Marc Kemmler, Jochen Kienbaum, S.M.A.K. Gent

Studio Haegue Yang, Seoul: Hwiwon Chun, Heeyun Im, U-jung Jang, Insun Kim, Myoungjung Kim, Junseok Lee, Sihyun Ryu, Solkyu Yang, Heejung Ye
Studio Haegue Yang, Berlin: Liene Harms, Chieko Idetsuki, Cheongjin Keem, Nicolas Pelzer, Katharina Schwerendt, Lisa Tietze, Tsukasa Yamamoto

Haegue Yang (* 1971) lebt und arbeitet in Berlin und Seoul.
Zu wichtigen Einzelausstellungen von Yang zählen unter anderem: Art Gallery of Ontario, Toronto (2020–21); Tate St Ives, Cornwall (2020–21); National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul (2020–21); The Museum of Modern Art, New York (2019–21); The Bass Museum of Art, Miami Beach, Florida (2019–20); Museum Ludwig, Köln (2018); Centre Pompidou, Paris (2016); Ullens Center for Contemporary Art, Peking (2015); Leeum Museum of Art, Seoul (2015); Haus der Kunst, München (2012–13); Aspen Art Museum, Aspen, Colorado (2011); Kunsthaus Bregenz (2011); New Museum, New York (2010–11); Koreanischer Pavillon, 53. Biennale Venedig (2009).
Eine große Überblicksausstellung einer Auswahl ihrer Werke ist aktuell im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen bis 31. Juli 2022 zu sehen.

Exhibition: April 29 – July 30, 2022

Opening during Gallery Weekend Berlin
Preview days: Thursday, April 28 – Friday, April 29, 11 am – 6 pm
Public opening: Friday, April 29, 6–9 pm
Public days: Saturday, April 30 – Sunday, May 1, 11 am – 7 pm

Galerie Barbara Wien is honored to present a solo exhibition of new works by Haegue Yang. The artist‘s sixth solo presentation at the gallery introduces the series Mesmerizing Mesh (since 2021) in Europe. For this occasion, Wiens Verlag publishes the booklet Mesmerizing Mesh – Paper Leap.

The exhibition title Mesmerizing Mesh – Paper Leap and Sonic Guard underscores the two main elements of the show – paper works and Sonic Sculptures. Twenty-six collages from Mesmerizing Mesh form the exhibition‘s focus; alongside of this, two Sonic Sculptures are presented. Additionally, three wall-mounted Appliance Sculptures and a suspended Lantern Sculpture are on view.

Mesmerizing Mesh is a series of hanji (traditional Korean paper) collages. Hanji is made from the inner bark of the mulberry trees native to Korean mountainsides. The scarce yet distinctive use of paper in some regional shamanistic traditions in Korea inspired the artist to initiate this series. Across civilizations, individuals and collectives have used paper in various rituals to convey their wishes. These paper props are also used for purification or cleansing rites and often burned at the end. The diversity of these practices have informed the development of Mesmerizing Mesh. Among the myriad of compositions, some types appear repeatedly, such as "formation." This composition displays an array of geometric and abstract patterns referencing sumun, an ornamented paper sheet, which is hung from the ceiling in ritual sites to battle against evil spirits. In another compositional sample, figurative motifs dominate, referencing nukjeon, which shamans blow a spirit into.

In the north room of the gallery, sixteen Mesmerizing Mesh are presented, featuring geometric and figurative compositions with monochromatic backgrounds of black, red, and blue. Partially shown on a specially custom-made wooden structure, the motif of gohei from Shinto rituals in Japan is evident in the composition of some pieces. The south room presents ten Mesmerizing Mesh, revealing the similar use of paper objects in Korean as well as Japanese rituals. Some of them depict an assortment of figurative motifs, while others make reference to paper props, such as nukjeon, Shinjang stick/ōnusa, geumjeul/shimenawa and Sungju flower. The comparative observation is also disclosed in the accompanying booklet Mesmerizing Mesh – Paper Leap. Next to them, Mesmerizing Lantern – Four Guardians in Crimson Mesh (2022), a Lantern Sculpture made of hanji, is suspended from the ceiling. Four sides of the lantern are ornamented with motifs of four guardian deities symbolizing the cardinal directions – the Azure Dragon of the East, the Vermilion Bird of the South, the White Tiger of the West, and the Black Tortoise of the North – all made into red.

Two large Sonic Sculptures, woven out of bells and metal rings, are on view in both exhibition spaces. Appearing like transparent woven fabrics, two Sonic Guards (2022) are spread directly on the floor, covering optional objects. Table settings from ceremonies in Korea are arranged under Sonic Guard over Ceremonial Formation – Blue. Under Sonic Guard over Domestic Formation – Crimson, various common, yet old-fashioned food containers found in ordinary households in Korea are positioned.

In the south room as well as in the foyer of the gallery, three wall-mounted Appliance Sculptures are displayed. Twelve Pyeongchang-gil Moisture (2022) and Seven Dircksenstraße Moisture (2022) both bear street names in their titles and are made from kitchen sinks, covered with venetian blinds, and lit from within. The editions make reference to the homes of Yang in two different cities, Seoul and Berlin, addressing the idea of "double life" as well as the subject of "domesticity."

In the foyer, an info table with rare books provides further insight into various paper cutting traditions. These resources also shed light on Yang‘s reflection on how shamans and artists share a methodology of taking "mystic leaps" out of earthly materiality. The mystic leaps appear to reach language, aesthetics, communication, value, and all that lie outside the material. Just as shamanistic paper props bridge the dimensions of the living world and beyond, Yang activates hanji by layering, folding, carving, and attaching, to take the leap from material to the dematerialized.

Wiens Verlag is pleased to announce the release of Mesmerizing Mesh – Paper Leap on the occasion of this exhibition. Published in English, this booklet provides concise yet informative descriptions and illustrations of shamanistic rituals and paper cutting traditions, with a focus on Korea and Japan. The booklet outlines Yang‘s subjective reading of these various traditions, which led to the development of the hanji collages. It contains a richly illustrated chapter on the focal references and a full index of the 95 pieces of Mesmerizing Mesh made since 2021.

In the garage, a supplementary exhibition space in the courtyard, Sonic Intermediates – Three Differential Equations (2020) is on view. This three-part sculptural ensemble premiered in Yang‘s solo show Strange Attractors at Tate St Ives and was later shown at M HKA, Antwerp. Aside from the Sonic Intermediates, the wall-mounted rotating Sonic Sculpture Sonic Rotating Whatever Openings on Hemisphere #4 (2021) and a selection of wall objects of the edition Blank Rotating Notes (2012) are exhibited.

New publication: Haegue Yang: Mesmerizing Mesh – Paper Leap
Booklet with two separately bound sections in jacket, 72 pages together, 133 color images,
21 x 14.8 cm, Wiens Verlag, Berlin 2022, 15 Euro

Thanks to: Magdalen Chua, Atsushi Fukunaga, Taro Furukata
Special thanks to: Annette and Marc Kemmler, Jochen Kienbaum, S.M.A.K. Ghent

Studio Haegue Yang, Seoul: Hwiwon Chun, Heeyun Im, U-jung Jang, Insun Kim, Myoungjung Kim, Junseok Lee, Sihyun Ryu, Solkyu Yang, Heejung Ye
Studio Haegue Yang, Berlin: Liene Harms, Chieko Idetsuki, Cheongjin Keem, Nicolas Pelzer, Katharina Schwerendt, Lisa Tietze, Tsukasa Yamamoto

Haegue Yang (* 1971) currently lives and works in Berlin and Seoul.
Her main solo exhibitions were held at the Art Gallery of Ontario, Toronto (2020–21); Tate St Ives, Cornwall (2020–21); National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul (2020–21); The Museum of Modern Art, New York (2019–21); The Bass Museum of Art, Miami Beach, Florida (2019–20); Museum Ludwig, Cologne (2018); Centre Pompidou, Paris (2016); Ullens Center for Contemporary Art, Beijing (2015); Leeum Museum of Art, Seoul (2015); Haus der Kunst, Munich (2012–13); Aspen Art Museum, Aspen, Colorado (2011); Kunsthaus Bregenz, Bregenz (2011); New Museum, New York (2010–11); and the Korean Pavilion, 53rd Venice Biennale, Venice (2009), among others.
Her large survey exhibition presenting a focused selection of works at SMK National Gallery of Denmark, Copenhagen is on view until July 31, 2022.